Doktorierende der Alten Geschichte

Fiscalité, Local Politics, and Social Control in Byzantine Egypt

Advisors: Sabine R. Huebner (University of Basel) and Bernhard Palme (University of Vienna)

In my dissertation I intend to study public control of local communities by focusing on the office of the “pagarchs,” who were in control of the collection of taxes from the rural communities of Byzantine Egypt. Backed by considerable coercive power, these officials appear to have become the central authority on the city level since the early sixth century at the latest. My PhD-project aims to use the pagarchy as a case study in order to elaborate a model that will help illuminate how sociopolitical and administrative factors in the city–country relationship correlate. The pagarchs appear to be a promising subject for the study of public control of local communities as they operated on the edge of both realms: they resided in the urban centers and were part of the political élite of the civitas; at the same time, they owned considerable landholdings, ousiai, even in areas for which they were responsible as pagarchs. In the end we will be able to better comprehend how the network we call the state and its lower-end communities in the countryside influenced each other dialectically.

My dissertation will address several questions in order to gain insight into the pagarchy as a model for the interconnectivity of fiscalité, local politics, and social control in Byzantine Egypt. 1) Fiscal administration: how did the tax regime of the pagarchs work in practice and what were its means of control vis-à-vis rural communities? 2) Hierarchy and integration: how did the pagarchy operate within a network of administrative and ‘private’ institutions? 3) Politics and mentality: how did the pagarchs profit from their control of and relations to rural communities in regard to their social standing in the cultural and administrative centers? Did they strive after promotion and did the empire make use of this? How did the pagarchs’ provincial and imperial ambitions impact local politics? 4) Community agenda: what goals did rural communities pursue in relation to the pagarchs and the ‘great houses,’ and what strategies did they use? How did dealing with public administration shape local communities?

In a second step, the model thoroughly elaborated from the situation in Byzantine Egypt will be transferred synchronically and diachronically. 1) Painting the greater picture: some texts from other regions of the Empire suggest that the pagarchy was not an institution restricted to the Egyptian provinces. Is it possible to trace the characteristics of the Egyptian pagarchy in other parts of the Empire? By comparing selected regions of the Byzantine Empire, the project will help to sharpen regional characteristics of the Egyptian model. 2) Toward transition: finally, the Byzantine model will be tested against the available evidence from ‘post-conquest Egypt.’ Thus, the project will be able to address the question of change and continuity in the Arab period from its unique point of view.

Intestate Succession and the Definition of the Family in the Ancient World in Comparative Perspective

(Erstbetreuerin: Prof. Dr. Sabine R. Huebner; Zweitbetreuer: Uri Yiftach, Tel Aviv University)

Beim Erbrecht unterscheidet man zwischen Intestaterbfolge und testamentarische Erbfolge. Wenn ein Erblasser stirbt, ohne dass er ein Testament hinterlassen hat, erfolgt die Übertragung seiner Vermögen nach den Regeln der Intestaterbfolge. Diese Regeln offenbaren soziale bzw. kulturelle Prinzipien, die in einer Kultur und Gesellschaft vorhanden sind.
Zwei zentrale Grundsätze bei der Erbschaft sind das Behalten des häuslichen Vermögens und die Fortsetzung der Familie. Von diesen Grundsätzen leiten sich manche Regeln der Erbfolge ab. Es stellt sich nun die Frage, was genau „die Familie“ ist, um derer Fortsetzung man sich kümmert. Es unterscheidet sich von Gesellschaft zu Gesellschaft und von Zeit zu Zeit. In einer sozialen Gestalt eines Sippenverbandes oder einer Hausgemeinschaft hat die Familie eine ganz andere Funktion als diejenige, die die Familie in einer Gesellschaft hat, bei der die Kernfamilie die elementare soziale Einheit bildet.
Bei den Regeln der Erbfolge kommt auch der Status der Frau in einer gegebenen Gesellschaft zum Ausdruck. Es ist bekannt, dass die herrschende soziale Form in der Antike patriarchal war, daher ist es interessant zu sehen, wie jede Kultur im Bereich der Erbschaft mit den Frauen umgegangen ist: unter welchen Bedingungen beerbt die Tochter ihren Vater, die Frau ihren Mann? Wo steht die Frau in der Reihe der Verwandten bei der Erbfolge? Das Umgehen mit diesen Fragen hängt auch von der jeweiligen Struktur der Familie ab. In einer patriarchalen Gesellschaft besteht immer die Gefahr, dass, wenn die Frau, die Tochter usw. erbt, die Familie des Erblassers einen Teil oder das ganze Vermögen zugunsten einer fremden Familie verliert.
Mein Projekt hat das Ziel, diese Fragen bei verschiedenen Kulturen zu untersuchen, die nebeneinander im Nahen Osten in der hellenistisch-römischen Zeit gewirkt haben. Im Zentrum der Untersuchung stehen die griechisch-hellenistischen, römischen und talmudischen Rechtssysteme. Diese drei Kulturen hatten in dieser Zeit und an diesem Ort zweifelsfrei Einfluss aufeinander, das Maß und die Weise sind aber noch ausführlich zu untersuchen. Neben diesen Kulturen würde ich andere Kulturen in die Untersuchung einbeziehen, die ich wahrscheinlich nicht unmittelbar untersuchen würde, die aber auch eine wichtige Rolle bei diesem Schmelztiegel der Kulturen im Osten gespielt haben. Ich meine Kulturen wie die ägyptische, assyrisch-babylonische, früharabische und frühchristliche.

Funktionen und Funktionswandel römischer fora in Italien vom späten 4. Jh. v. Chr. bis ins 7. Jh. n. Chr. (Arbeitstitel)

(Erstbetreuer: Prof. Dr. Michael Heinzelmann, Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Sabine R. Huebner)

Während der gesamten römischen Antike war das forum jener Raum in einer Stadt, in dem sich das öffentliche Leben im Wesentlichen abspielte. Dieser Raum war für ein Gemeinwesen von derart großer Wichtigkeit, dass beinah jede Stadt – unabhängig von ihrer Größe und Bedeutung – meist von ihrer Gründung an mit einem solchen ausgestattet war, während andere wichtige öffentliche Bauten wie Theater, Amphitheater, Thermen oder Aquädukte zuweilen erst Jahrhunderte später oder (gerade bei Ressourcenknappheit) gar nie errichtet wurden. Auf dem Platz und den angrenzenden Gebäuden bündelten sich wenn nicht ausnahmslos alle, so doch der Großteil der Funktionen des öffentlichen Lebens. Hier fanden Versammlungen politischer Gremien, Gerichtsverhandlungen, sakrale Akte, Gladiatorenspiele und Aufbahrungen verstorbener Mitbürger statt, hier wurde gehandelt (Detail- und Großhandel) und zuweilen auch gewohnt, hier repräsentierten sich die Mitglieder der städtischen Oberschicht mit Ehrenmonumenten und durch die Stiftung von Bauten für die Öffentlichkeit.

The Ambivalence of Language: Expression of Power and Administrative Function in Arabic Documents from Early Islamic Egypt

Die Arbeit erforscht die Rolle des Arabischen als imperiale Sprache im ägyptischen Kontext während der beiden ersten Jahrhunderte nach der islamischen Eroberung mit dem Ziel, einen der zentralen Aspekte des politischen und sozialen Verhältnisses der herrschenden islamischen Elite zur eroberten Bevölkerung zu rekonstruieren. Das Projekt beruht auf dem dokumentarischen Beleg, dass im betrachteten Zeitraum das arabische Idiom beinahe ausschließlich der administrativen Sphäre angehörte und von der eroberten Bevölkerung in erster Instanz als die öffentliche Sprache der imperialen Autorität wahrgenommen wurde. Vorsatz meiner Arbeit ist sowohl die rein technisch-administrative als auch die repräsentative Komponente der arabischen Dokumente (besonders Papyri, Münzen, Inschriften und Graffiti) in Betracht zu ziehen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Frage nach dem jeweils angesprochenen Publikum gewidmet. Durch den Vergleich der respektiven Sprachregister und Formeln mit deren römisch-byzantinischen Vorläufern, werden Kontinuitäts-und Diskontinuitätsaspekte zwischen der prä-und post-Eroberung Phase hervorgehoben. In einem weiteren Schritt wird eine Interpretation der Genese, Funktion und Entwicklung des Arabischen als Reichsprache, am Licht der zeitgenössischen politischen und soziokulturellen Ereignisse, vorgeschlagen werden. Schlussendlich sehe ich vor, die Frage zu berücksichtigen, in wieweit das ägyptische Modell auf andere geographische Kontexte in der islamischen oikoumènē übertragen werden kann.

Trade and Economic Integration in Late Antiquity: Diocletian’s Egypt

(Advisor: Roger Bagnall)

My doctoral research focuses on assessing the extent of economic integration through trade in Late Antique
Egypt, focusing also on Alexandria’s role as a Mediterranean emporium, by using archaeological, numismatic, papyrological, and other textual evidence. By focusing on products of which Egypt produced a surplus and traded widely, I will show the interdependence between Egypt and other provinces of the Roman Empire. In my dissertation, I analyze different types of evidence under the same theoretical framework and questions, in order to assess both the role that certain commodities, such as textiles, wine, and glass play in wider discussions of an integrated economy and also to highlight the methodology by  which diverse data sets can be employed to address aspects of economic history.
I have chosen the fourth century CE as a chronological marker for this economic analysis for two main reasons. The first is that it is a period when the Emperor Diocletian instituted empire-wide reforms that were aimed at creating a more stable economic and political unit. One of these changes was the abolishment of Egypt’s isolated monetary system, under which it had functioned for the previous 600 years. Thus, after 297/298 CE, coinage minted in other provinces of the Empire could be used in Egypt and currency and exchange patterns in the province can thus be analyzed, and even quantified in some cases. The analysis of hoards and coinage from this century has also revealed the central role that unofficially produced coinage had in Egypt, as it supplied a large part of the bronze currency. Secondly, this period is rich in papyrological data, which can elucidate details of major industries in Egypt whose products are not well represented in the archaeological record, such as textiles and glass.
My aim in this project, is to begin inserting the Egyptian economy into wider discussions of the Roman economy, by showing the strong economic interconnection not only between the Egyptian province and other provinces but also between Alexandria and other major cities such as Rome, Antioch, and Constantinople.

The Crisis of the Irrigation System in Third Century Egypt

The PhD research project aims at investigating the reasons for the debasement of the irrigation system in the third century Egypt and the extent to which these changes had an impact on the life and the economy of the Roman province.  Climate changes and diffusion of pandemic disease (i.e. the Plague of Cyprian) along with human negligence could potentially be held responsible for the aforementioned change. The subproject seeks to advance the frontier of the traditional historical research and make use of the most innovative scientific data available on climate, geology and paleopathology, combining them with the archaeological and papyrological evidence.  The study on changes in the Egyptian hydraulic system are particularly promising thanks to the unparalleled evidence available for this region of the Empire and it’s essential in order to analyse the progression of dramatic event such as famines, great epidemics, depopulation, desertion of villages. Furthermore, it can serve as a model of human intervention on the environment and resilience to dramatic events.